Manche kommen mit einer konkreten Frage: Wie bewerbe ich mich besser? Andere mit einem diffusen Gefühl: Ich will eigentlich etwas anderes, aber ich weiß noch nicht was. Und wieder andere sind mitten in ihrer Karriere, von außen betrachtet gut aufgestellt und merken trotzdem: da ist etwas, das ich nicht durch Abarbeiten lösen kann.
Für all diese Ausgangspunkte kann Karrierecoaching der passende nächste Schritt sein. Was ihn wirksam macht und was du selbst dazu beiträgst, darum geht es in diesem Artikel.
Inhalt
- Ich nutze KI für vieles. Und genau deswegen weiß ich, wann ich aufhöre.
- Wenn Effizienz nicht ausreicht: eine Führungskraft im Coaching
- War das jetzt eigentlich das, was ich gebraucht hätte?
- Nicht die Methode entscheidet: was die Forschung zeigt
- In welcher Phase kommen die meisten ins Coaching?
- Das Buffet-Prinzip: Coaching begleitet, es serviert nicht
- Wann Karrierecoaching nicht passt
- Was das für dich bedeutet
Ich nutze KI für vieles, was mein Business betrifft. Und genau deswegen weiß ich, wann ich aufhöre.
Ich bin kein Mensch, der sich dem Digitalen verweigert. Textentwürfe, Strukturideen, Recherchen: für vieles, was mein Business betrifft, nutze ich KI. Und ich merke, wie viel Energie das freisetzt, wenn ich nicht jede Kleinigkeit selbst durchdenken muss.
Und gleichzeitig gibt es Momente, in denen ich bewusst aufhöre. Nicht weil das Tool nicht gut genug wäre, sondern weil ich spüre: hier ist noch etwas. Etwas, das keine externe Antwort hat. Etwas, das von innen kommen muss.
An diesen Stellen arbeite ich mit Focusing, einer Methode, die vom körperlichen Erleben ausgeht: nicht analysieren, nicht optimieren, sondern spüren, was gerade da ist. Dieser Unterschied, zwischen dem Abarbeiten von außen und dem Hinschauen von innen, ist für mich das Herzstück von Coaching.
Wenn Effizienz nicht ausreicht: eine Führungskraft im Coaching
Eine Führungskraft, mit der ich gearbeitet habe, ist gut darin, Dinge zu strukturieren und schnell abzuschließen. Aufgaben zwischen den Sitzungen? Erledigt, manchmal mit Unterstützung durch KI, immer pünktlich und ordentlich.
Und trotzdem gab es Momente, in denen ich innehielt und fragte: Bist du jetzt fertig damit, oder hast du das gespürt? Das ist ein Unterschied. Aufgaben abhaken geht schnell. Das Hinschauen auf das, was sich darunter befindet, braucht eine andere Art von Aufmerksamkeit.
Diese Führungskraft ist keine Ausnahme. Viele Menschen, die ins Coaching kommen, sind kompetent, selbstorganisiert und gewohnt, Dinge in die Hand zu nehmen. Diese Stärke kann im Coaching manchmal im Weg stehen: dann, wenn sie verhindert, dass man dem nachgeht, was sich unter der Oberfläche befindet.
War das jetzt eigentlich das, was ich gebraucht hätte?
Diese Frage höre ich manchmal von Menschen, die vorher schon ein Coaching gemacht hatten. Manchmal direkt, manchmal als leises Zögern, bevor sie beschreiben, wie es war.
Und wenn ich genauer nachfrage, klingt es oft so: Im Coachinggespräch lief es gut. Klarheit, Energie, ein nächster Schritt, der sich machbar anfühlte. Doch sobald es aus dem geschützten Raum ins Tun gehen sollte, stockte es. Die Umsetzungsenergie war nicht da.
Die Frage ist berechtigt. Und sie führt zu einer Erkenntnis, die mich seit meiner eigenen Coaching-Ausbildung begleitet.
Nicht die Methode entscheidet: was die Forschung zeigt
Michael Lambert hat 1992 in einer vielzitierten Analyse zusammengefasst, worauf Coaching- und Therapieerfolg tatsächlich zurückgeht. Das Ergebnis war verblüffend: Außertherapeutische Faktoren wie die eigenen Ressourcen und das Umfeld der Klient:innen machen rund 40 Prozent aus. Die Beziehung zum Coach oder zur Therapeutin etwa 30 Prozent. Der Erwartungseffekt, also die Hoffnung, dass es hilft, 15 Prozent. Und spezifische Techniken? Ebenfalls nur 15 Prozent.
Bruce Wampold erweiterte diesen Befund mit groß angelegten Meta-Analysen: Verschiedene Ansätze unterscheiden sich in ihrer Wirksamkeit kaum, solange sie professionell und glaubwürdig angewandt werden. Dieses Phänomen wurde als Dodo-Bird-Verdikt bekannt: Am Ende gewinnen alle, weil das Entscheidende nicht die Schule ist, sondern das Miteinander.
Auf Coaching übertragen bedeutet das: Ob Focusing, systemische Methoden oder Life/Work Planning, die Methode allein erklärt nicht, warum ein Coaching trägt. Entscheidend ist, was zwischen den Menschen entsteht.
In welcher Phase kommen die meisten ins Coaching?
Veränderungen verlaufen selten geradlinig. Die Veränderungskurve nach Elisabeth Kübler-Ross, ursprünglich für Trauerprozesse entwickelt und heute ein etabliertes Modell für berufliche Umbrüche, zeigt das gut: Ob jemand gekündigt wurde oder innerlich schon längst weg ist und noch dasitzt, die Phasen ähneln sich.
Die meisten, die zu mir kommen, stehen irgendwo zwischen dem Fall und der Akzeptanz. Der Schmerz sitzt noch, aber die erste Lähmung ist vorbei. Es gibt wieder Energie für einen nächsten Schritt. Und genau das ist der Moment, in dem Coaching trägt: nicht um schneller durch die Kurve zu kommen, sondern um dort abgeholt zu werden, wo man gerade steht.
Das Buffet-Prinzip: Coaching begleitet, es serviert nicht
In meiner Coaching-Ausbildung habe ich gelernt, den Unterschied zwischen Training und Coaching zu beschreiben, und habe dafür eine Metapher gefunden, die mich seitdem begleitet.
Im Training gibt es eine Agenda, ein Programm, das durchgezogen wird. Das hat seinen Platz. Im Coaching ist das anders: Ich halte ein Buffet an Möglichkeiten bereit und nehme davon, was gerade passt und stimmig ist. Flexibel, nah an der Person, von ihr aus gedacht.
Der Moment, in dem Coaching trägt, ist nicht der, in dem ich eine clevere Intervention einsetze. Es ist der, in dem jemand selbst merkt: da ist etwas. Und wir gehen dann gemeinsam in die Speisekammer, nicht damit ich das Menü bestimme, sondern damit du deine Zutaten findest und dir dein Süppchen selbst kochen kannst.
Diese Selbstverantwortung für den eigenen Prozess ist kein nettes Beiwerk, sondern der eigentliche Wirkfaktor.
Wann Karrierecoaching nicht passt
Coaching lebt davon, dass man hinschauen möchte, nicht nur abhaken. Wer ins Coaching kommt, um Aufgaben schnell abzuschließen, ohne dem nachzugehen, was dahintersteckt, wird wenig davon haben.
Das gilt auch, wenn die eigentliche Frage lautet: Wie passe ich mich an ein Umfeld an, das mir nicht guttut? Coaching kann helfen, Klarheit über Rahmenbedingungen zu gewinnen und zu erkennen, was sich gestalten lässt und was nicht. Es ersetzt aber keine strukturellen Veränderungen und auch keine therapeutische Unterstützung, wenn tiefer liegende Themen eine Rolle spielen.
Und eines der wichtigsten Kriterien: Coaching muss eine eigene Entscheidung sein. Die 40 Prozent, die laut Lambert auf den eigenen Faktor entfallen, setzen Eigenverantwortung voraus. Wer ins Coaching geht, weil jemand anderes das für sinnvoll hält, wird diesen Anteil kaum aktivieren können.
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Wenn du gerade überlegst, ob Karrierecoaching das Passende für dich ist: Die Antwort liegt weniger in der Frage, welche Methode dein Coach anwendet, als in der Frage, was du mitbringst. Offenheit, Bereitschaft hinzuschauen und den Wunsch, nicht nur effizienter zu werden, sondern klarer.
Und die Beziehung zum Coach muss passen. Nicht perfekt, aber vertrauensvoll genug, dass du auch das sagst, was sich noch unklar anfühlt.
Wenn das für dich gerade stimmig klingt, freue ich mich auf ein Kennenlerngespräch.